Franz Josef Fahr,

Bienenmeister und Bienengerätefabrikant in Augsburg.

 

wurde geboren am 8. März 1840 zu Hoppingen im kgl. Bezirksamt Nördlingen als der Sohn ehrsamer Zimmermannseheleute und besuchte nach zurückgelegter Elementarschule die kgl. Landwirtschafts- und Gewerbeschule in Nördlingen, erlernte daselbst das Malerhandwerk und widmete sich später dem Baufache.

Die ersten Versuche in der Bienenzucht fallen in das Jahr 1861. Herr Pfarrer A. Rauch, der Geistliche seiner Heimat, hatte es verstanden, in dem jungen Fahr das Feuer der Begeisterung für die liebe Biene zu entzünden, und unter Aufsicht und Anleitung desselben fertigte auch letzterer die ersten Dzierzonkästen, welche ihm ganz prächtig gelangen.

Nachdem Fahr im dritten Infanterieregimente zu Augsburg seine Militärzeit abgedient hatte, machte er sich daselbst im Jahre 1867 ansäßig und gründete die von ihm noch betriebene Werkzengfabrik, welches Geschäft er im Laufe der Zeit immer noch mehr erweiterte, namentlich auch in Bezug auf Herstellung bienenwirtschaftlicher Geräte und gerade seine Bienengerätefabrik hat heutzutage einen guten Namen und ist weit renommiert und bekannt in den gesamten Kreisen der deutschen, nicht nur der bayerischen Bienenwirte.

Auch bei unserem lieben Freunde Fahr trat das Sprichwort in Kraft: „Aller Anfang ist schwer!" Seine ersten Kästen wollten nicht recht gefallen und fanden nur spärlich Abnehmer. Fast wollte dem jungen Manne schon Freude und Eifer schwinden. Doch da richtete ein eifriger Förderer und tüchtiger Kenner im Gebiete der Bienenzucht, Herr Lehrer Friedrich Schmidt in Möttingen (bei Nördlingen), der zur damaligen Zeit schon Vorstand des Vereins Riesgau war, das fast schon schwankende Gemüt des jungen Fahr auf, eiferte den strebsamen, tüchtigen jungen Mann zur Anfertigung von Mobilbeuten aufs neue an, und prächtige und weit und breit gesuchte Berlepschbeuten gingen nun in Masse aus Fahr´s Hand hervor. Er hielt auch diese Wohnung mit Vorliebe bis aus den heutigen Tag fest, nur von Zeit zu Zeit derselben diejenigen Vorteile anfügend, welche von einer Bienenwohnung zu fordern bislang beliebt wurde. Seine Bienenkästen sind mit allen Hilfsmaschinen (Dampfkraft) streng solid und genau gefertigt und derart eingerichtet, daß nicht nur Futter-, sondern auch Tränkapparate in oder auf denselben zu jeder Zeit bequem angebracht werden können, so daß also für den Komfort und für das Wohlergehen unserer Lieblinge zu jeder Zeit aufs beste gesorgt werden kann. Fahr blieb dem Vereine Riesgau, dem er schon in seiner Jugend beigetreten war, bis auf den heutigen Tag treu. Es ist dies ein schöner Zug in seinem Charakter, daß er jenem Kreise von Männern so innig treu geblieben ist, welchen er die Anregung zu dem verdankt, was er wurde und ist, obwohl er ja räumlich längst von jenen Stätten seiner Jugend getrennt ist und in Schwabens Hauptstadt ein neues und würdiges Heim gefunden.

Zum ersten Male stellte unser bienenwirtschaftlicher Musterfabrikant auf der Kreisbienenzüchter-Versammlung zu Weißenhorn im Jahre 1881 aus, und es regnete auf den angenehm Überraschten nur so Preise und Diplome herab. Es war aber auch eine Lust, all die in gleicher Weise schön und solid gefertigten Bienengeräte, die von seiner Arbeitsstätte den weiten Weg hinaus ins einsame, abgelegene Roththal gemacht hatten, hier in prächtigem Arrangement zu sehen und zu bewundern. All die wohlverdiente Anerkennung machte unseren lieben Fahr aber nicht übermütig und nachlässig, wie so manch anderen, sondern sie war ihm ein neuer, kräftiger Sporn zu unermüdetem Schaffen, zu angestrengtem Trachten nach fortwährender Verbesserung und abgesehen von den Belohnungen und Diplomen, welche er in einer Reihe kleinerer von ihm beschickter Plätze erhielt, erwuchsen ihm Auszeichnungen, Preise und Diplome in ungezählter Menge auf den großartigen, von den verschiedensten und bedeutendsten Konkurrenzgeschäften beschickten Ausstellungen zu Nürnberg, Augsburg, Stuttgart, Regensburg und München.

Die sowohl im allgemeinen als auch gerade besonders für ihn so glänzend verlaufene Kreisbienenzüchter-Versammlung in Weißenhorn im Jahre 1881 hatte auf Fahr einen nachhaltigen Eindruck hinterlassen. War allen den Besuchern und auch ihm selbst in dem bescheidenen „Rothstädtchen mit den drei Hörner im Wappen" erst so recht klar geworden, wie Treffliches die Bienenzucht leisten kann und was Herrliches es um dieselbe ist, so mußte er, nach Augsburg, nach der Kapitale, aus der Provinz zurückgekehrt, es um so trüber empfinden, daß in Augsburg selbst noch für die gute Sache gar nichts geschah, so daß ein kleines Landstädtchen, wie dieses zweithörige Weißenhorn die große, alte Augusta Vindelicorum in Schatten Stellen konnte. Das ließ also sein Gemüt nicht ruhen, zumal er in Weißenhorn als nächsten Versammlungsort Augsburg in Vorschlag gebracht hatte. Da ließ denn nun unser wackerer Fahr alle Minen seines Schaffenseifers springen und ruhte und rastete nicht, bis im Jahre 1882 der neu-gegründete Angsburger Bienenzüchterverein, so recht das echte und ganze Kind Fahrs, fix und fertig dastand. Und wie großartig und wie leistungsfähig führte sich dieser neue Verein seinen übrigen Schwester-Vereinen im Jahre 1883 vor! Die mit der Kreisversammlung verbundene großartige Ausstellung, an die jeder Besucher mit Bewunderung zurückdenkt, hat es bewiesen. Und alle Augsburger Imker wissen recht wohl, in welchem Maße Fahr an all dem teilgenommen hat und wie viel davon ihm allein zu danken ist. Und so hat dieser unser ausgezeichneter Imkergenosse auch in der letzten Zeit bis auf den heutigen Tag als ein leuchtender Stern nicht nur dem Augsburger Bezirksvereine, sondern allen Bienenzüchtern Schwabens zur Zierde gereicht, und wir Schwäbischen Imker insgesamt vereinigen uns in dem Zurufe:

Fahr! — fahr fort in deinem Streben,

Imker du in That und Wort,

Stets uns alle zu beleben,

O erfahr'ner Fahr! — fahr fort!