Münchner Intelligenzblatt, Samstag den 9.Februar 1799

Bienenzucht, Kurzer Unterricht im Monate Februar oder Hornung

In diesem Hornungs-Monate, wo in baierischen Landen die winterliche kalte Witterung fast zu allen Zeiten noch anhält, ja oft noch am stärksten nachtheilig einfällt, kann ich weiter keine andere Behandlung als im vorigen Monate Jäner vorschreiben, und anrathen; ausgenommen, es müßte nur an einigen Orten eine besondre außerordentliche warme Witterung einfallen, wodurch die Bienen rege gemacht würden: denn jede Abänderung der Witterung wird sowohl im Winter als Sommer durch ein verändertes Gesumse und Fluge der Bienen anzeigt, woraus ein fleißiger Beobachter derselben sich gleichsam einen Witterungsbeobachter d. i. Parometer verschaffen kann: wenigstens dient mir solches sehr oft im Sommer die Witterung für den künftigen Tag vorzusagen.

Bey solchen vorfallenden warmen Umständen müßte man sich gleichwohl nach der Vorschrift des vorigen Monats Jäner verhalten, weil wegen künftiger Witterung noch nicht gänzlich zu trauen wäre, seine Stöcke fliegend zu halten. Jene aber, welche meinen gründlichen Unterricht, oder Bienenkatechismus bey Handen haben, sollen nur die Winter, und Frühjahrsbehandlung 231 und 148 Seite lesen, wo alles klar und weitschichtiger enthalten ist.

Das mühsame Futtern müßte man fast verdoppeln, weil die Bienen bey wachsender Wärme der Zeit, d.i. nach dem Wuchs und Abnahme des Tages jedesmal mehr, oder weniger Brutt einschlagen, oder Junge erzeugen, wobey sie im Frühjahre immer mehr Honig zum Futtern für ihre Brutte und Jungen brauchen.

Nur bitte ich jeden Bienenwirth sich eines reinen Honigs zu bedienen, wenn er doch nicht will, daß seine Arbeit mit den oft verdrüßlichen Futtern sammt den Bienen zu Grunde gehen soll. Man hat alle Quaksalberey, und vermischtes Honig mit süssen Kletzenwasser, Bierwürz, Zucker, und dergleichen gänzlich zu vermeiden, nur kann und soll man den dritten Theil reines laulichtes Wasser unter das dicke Honig, und auch, wenn es beliebt, ein wenig guten Wein mischen, so wird man seine Bienen gewiß allzeit gesund, und ohne Ruhr erhalten.

Auf die Mäuse hat man ein wachsames Auge zu halten, und bey warmer Witterung noch zusehen, ob die Bienen nicht an einigen Orten oder Oeffnungen ausbrechen können, wodurch oft viele Bienen zu grunde gehen, und die Stöcke schwach an Volk werden. Solche Ritzen und Oeffnungen muß man mit Leimen verstreichen. Ist es den Bienen, wenn sie zugedeckt sind, zu warm, so nehme man die Decke weg; ist aber die Witterung nicht anhaltend, und es fiel wieder eine neue Kälte ein, so bedecke man selbe wieder. Die heurige Kälte im vorigen Monate Jäner hat sehr viele unbedeckte Bienenstöcke zu grunde gerichtet, wovon ich schon mehrere Beyspiele bey Bauern gesehen habe. Man kann also wegen Bedeckung der Bienenstöcke, sie mögen hernach Strohkörbe, Leger, oder andere seyn, niemal genug vorsichtig seyn, und dieser heurige Fehler wird für die Zukunft bessere Sorge bey menchen Bienenwirthen hervorbringen.

Da also bey den Bienen in diesem Monate noch wenige Behandlungen vorkommen, so soll ein jeder Bienenliebhaber zu Ende desselben, das ist: um Petri Stuhlfeyer eine kleine Hauptvisitation bey seinen Stöcken halten. Bey Strohkörben hält man das Ohr fest an Korb, und schlägt mit der flachen Hand ganz gelind an selben, so wird man auf einmal den ganzen Ton, oder das Zusammensumsen der Bienen hören, ist dieses schwach, oder mangelt es gar, so hat im ersten Falle der Stock wenig Volk, oder er leidet Hunger, oder ist ohne Waisel; im zweyten öffnet man den Stock, so wird man gleich das Uebel, oder den Tod desselben finden. Jene, welche einen schnellen gleichtonichten Schall von sich geben, sind gewiß gesund und gut versorgt. Bey den liegenden Stöcken öffnet man durch Beyhilfe eines Messers das hintere Gitter ganz gelind, man bläst nur ein wenig, wenn die Bienen sich ohnehin nicht melden sollten in den Wachsbau, so wird man gleich Antwort erhalten, und die Umstände des Stockes klar einsehen können, welches man bey den Strohkörben nicht so leicht errathen kann.

Auf dieses soll ein jeder und auch neu angehender Bienenliebhaber seine Bienenstube, oder Bienenbank reinlich vorbereiten, damit er im künftigen Monate seine Bienenstöcke nach Umständen der Witterung und Zeit ohne Hinderniß aussetzen könne. Jeder soll sich auch Strohkörbe, Ständer und Leger aus Brettern verfertigen lassen, damit selbe gut austrocknen, und bey gehöriger Zeit zum Gebrauch verwendet werden.

Künftiges Monat März werde ich einige nöthige Regeln zur Verfertigung der Strohkörbe, weil es doch noch immer viele alte Liebhaber giebt, wie auch für die Leger der Lage angemessene Regeln einschalten; keiner Gattung aber seinen Werth absprechen, sobald man solche gehörig zu behandeln weiß, und genau zu befolgen pflegt.