Münchner Intelligenzblatt

Sonnabend den 6. April 1799

 

Verrichtungen bey den Bienen im Monat April

Fast in den meisten Gegenden Baierlands fallen keine andre Behandlungen der Bienen, als im vorigen März vorgefallen sind, ausgenommen das Zeideln, Ausbrechen, oder Honig ausschneiden.

Das Honigausschneiden sollte niemals eher als in diesem Monate unternommen werden; da die Bienen doch schon etliche Wochen geflogen sind, und Höschen, das ist Blumenstaub von Palmweiden, und anderen frühen Blüthen zur Futterung der jungen Brut eintragen, und nicht wie die meisten Landleute glauben, und sagen: die Bienen tragen schon Wachs ein. Was die Bienen an den hinteren Füßen eintragen, ist gar kein Wachs, denn das Wachs schwitzen die Bienen bey warmer Witterung, und erst bey guter Honigtracht, oder beym Ueberfluß des Honigs durch ihre 6 Ringe am Hinterleibe, wie ganz kleine Fischschuppen aus, wovon künftig merhres folgen wird.

Die Ursachen, warum man erst in diesem Monate ausschneiden soll, und nicht, wie viele Bienenwirthe mitten im Winter bey der größten Kälte, wovon ich schon im vorigen Monaten Meldung gemacht habe, sind folgende: Erstens läuft man selten Gefahr, daß die Bienen wegen künftiger Honigtracht Mangel leiden werden, weil es doch zu Ende April in vielen Gegenden schon Honigtacht giebt. Zweytens werden bey den Behandlungen, wie folgt, gar keine Bienen zu Grunde gerichtet, welches aber zu anderen Zeiten und ohne diese Behandlungen häufig geschieht. Man kann bey solchen Umständen den Wachsbau auf das reinste, und alle angelaufene, oder von Mäusen und anderen Insekten an- und durchfressene Tafeln herausschneiden. Man kann die noch hungrigen mit neu ausgeschnittenen Honigfladen gar leicht und am füglichsten futtern, wenn man dieselben in die Seitenwände der Strohkörbe mit durchgestochenen dünen Holzspänen befestigt; denn diese Art zu futtern halte ich allezeit für die beste, weil die Bienen nach Belieben von demselben Honig nehmen, und sich nicht so, wie bey ausgelassenem Honig beschmieren, welches andere Bienen sehr leicht riechen, und also oft wegen Räubereyen großen Schaden bringt.

Bevor ich aber die Art, die Bienenstöcke zu beschneiden, anfange, so muß ich noch zuerst von der verschiedenen Gattung des Wachsbaus höchstnöthige Meldung machen: weil die Kenntniß des Wachsbaus eines der ersten Grundsätze zum Ausschneiden der Bienen ist.

Der Wachsbau ist hauptsächlich in jedem Stocke dreyerley, als das Bienenwachs, Thränenwachs und die Weiselwiegen, oder königliche Zellen. Das Bienenwachs besteht aus den kleinsten 6eckigten Zellen nach der Queer, welches zum Bruteinschlagen für den Weisel, oder die Mutterbiene, wie auch zu Honigbehältnissen verwendet wird. Das Thronen- oder Thränenwachs ist ebenso beschaffen, nur das die Zellen viel größer, und leicht erkennbarer sind, als die vorigen. Dieses gehört zur Brut für die Thronen, welche die Landleute die Bruter nennen. Die Weiselwiegen sind in Gestalt einer Eichel an den Rändern der Wachstafeln abwärts, und nicht nach der Queer gebauet, diese werden nur zur Ausbrütung junger Königen verwendet.

Das Bienenwachs ist also; soferne es noch jung und weiß, oder zweyjährig ist, soll man soviel nur möglich ist, bey dem Ausschneiden verschonen. Thronenwachs aber und die Weiselwiegen kann man altes und junges nach Belieben herausschneiden. Je mehr Bienenwachs, und desto weniger Thronenwachs in einem Stocke anzutreffen ist, desto besser und volkreicher wird der Stock seyn. Nur hat man bey dem Ausschneiden, wie folgt, wohl Acht zu geben, daß man nicht die eingelegte Bienenbrut oder allenfalls Eyer, welche man leicht mit blossen Augen wie die Eyer der grossen Fleischfliegen in den Brutzellen liegen sehen kann, zum Schaden herausschneide.

Das Ausschneiden der Bienenstöcke kann und soll an einem heiteren, warmen windstillen Tage unternommen werden: Es man hernach der Stock honigreich, oder nur zum Wachsreinigen beschaffen seyn.

Man hält sich einen leeren Korb, oder Leger, eine Rauchmaschine, modrichtes Holz zum Rauchen, ein reines leeres Geschirr, und eines mit Wasser gefüllt, etliche Rüthchen zum Abstreifen der Bienen, zwey Zeidlmesser, und, wer das Stechen sehr befürchtet, auch eine Bienenhaube in Bereitschaft.

Die vollen Bienenkörbe zum Ausschneiden trägt man an eine füglichen Orte rückwärts oder seitwärts des Bienenhauses, und stellt alsogleich den leeren Korb an dessen Stelle, welches man ebenfalls mit Legern und Ständern beobachtet, damit sich die während des Ausschneidens auffliegenden, und von der Weide zurückkommenden Bienen sammeln, und aufhalten können; sonst würden dieselben auf andere Stöcke fallen, und meistens todt gestochen werden.

Der Bienenstock wird auf den Boden gestellt, und durch die Rauchmaschine etliche Züge Rauch in das Flugloch hineingeblasen. Sollte er mit Pichwachs an das Bodenbrett sehr ankleben, so sticht man mit einem starken Messer unter den Korb, und macht denselben los. Alsdann wendet man den Korb ganz gelinde um, und stellt ihn auf die Krone, unterdessen ein Gehilf etliche Züge Rauche auf den Wachsbau bläst.

Beym Ausschneiden also nimmt man vor allem den Wachsbau, und an welchem Theile das meiste Honig in Obacht. Wo das wenigste Honig und der jüngste Wachsbau ist, dorthin treibt man ganz gelassen mit langsamen Rauchen die Bienen, und schneidet das in alten Waben vorräthige Honig mit aller Behutsamkeit, ohne die Bienen zu verletzen, heraus. Die Seitenfladen nimmt man zuerst, und so in der Reihe einen nach dem anderen; nur maß man nicht zuviel und geizig herausschneiden. Sollten an den herausgenommenen Fladen noch Bienen sitzen; so streift man solche mit dem Rüthchen, nicht mit einem Feder- oder Bartwishce, wodurch die Bienen sehr böse gemacht werden, zu den übrigen im Stocke, und prüft solchen öfters mit Aufheben, wegen der Schwere, damit man nicht zuviel schneidet; denn es fallen oft spät im May hinein, wie erst voriges Jahr, kalte und anhaltende Regentage; haben hernach die Bienen keinen Vorrath an Honig, und da sie bey solcher Zeit nicht eintragen können, so erstarren und erhungern dieselben nebst der vielen schon eingeschlagenen Brut. Wenn man zu solchen Zeiten bey seinen Bienen nicht fleißig nachsieht, und besorgt ist, so kann man viele Stöcke und oft die besten verlieren. Beyspiele haben es mir voriges Jahr gezeigt.

Beym Ausschneiden des Honigs legt man die weißen reinen Fladen besonders in ein Geschirr, welche man dann entweder für andere noch hungrige Stöcke, oder auch für künftige Schwärme im Sommer bey einfallenden übeln Wetter zur Futterung sehr gut verwenden kann. Hat man solche hiezu nicht nöthig, so bleiben dieselben allezeit gut zum Gebrauche, und oft , wenn die Honigtracht im Sommer schlecht war, wie im vorigen Sommer, so dienen sie manchen Stock über Winter zu erhalten.

Nach dem Honigschneiden stützet man mit dem zeidel- oder anderen Messer die übrigen Wachstafeln, nach Erforderniß, ein oder zwey Queerfinger breit hinweg. Die angelaufenen, oder grauen schneidet man bis an das gute Wachs heraus, nur schone man die Brut und das junge Bienenwachs.

Dieses Abstutzen der Wachstafeln reizet die Bienen ungemein zum frischen Wabenbau; indem sie den gehörigen Abstand vom Bodenbrett und Flugloche gar nicht entbehren wollen, und, da sie also die abgeschnittenen Theile verdútzen, so fangen sie meist bey guter warmer Witterung auch zugleich den Wachsbau an, und füllen in wenigen Tagen den Korb mit vollem Wachsbau an.

Hat man 2 oder 3jährige, oder noch ältere Stöcke, so kann man hier den alten Wachsbau folgendermassen beschneiden, und für die Zukunft denselben verjüngen lassen. Man schneidet nämlich die ganze Hälfte des alten Wachsbaues bis an die Krone, doch soviel als möglich ist, ohne Brut heraus. An dem leeren Orte aber macht ´, oder schneidet man in den untersten Strohring des Korbes ein neues angemessenes Flugloch so zwar, daß die Fladen nicht nach der Queer, sondern gerade dem Flugloche zu zustehen kommen müßen. Man stellt alsdann den Korb auf das gereinigte Flugbrett so, damit das eingeschnittene Flugloch vorne zu stehen kommt, das alte verstreicht man mit Leimen, tragt den Korb in sein voriges Ort, den leeren eingesetzen hebt man auf die Seite, oder stößt denselben vor dem Bienenhauses auf den Boden, damit die Bienen herausfallen, oder man braucht denselben gleich wieder zum Einsetzen des folgenden Stockes.

Die in leeren Stöcke unterdessen gesammelten Bienen werden sich sogleich mit Freuden in ihren Mutterstock begeben.

Mehrere Behandlungen, und wie man mit Legern und Ständern verfahren soll, findet man im vollständigen Unterricht der Garten- und Waldbienenzucht.

Wegen der Räuberey hat man noch immer in diesem Monat ein wachsames Aug nöthig, besonders, wenn mehrere Bienen in einer Gegend anzutreffen sind. Es finden sich auch gewisse Vögel bey den Bienenhütten ein, welche bey dem Mangel anderer fliegenden Insekten, die ihnen sonst zur Nahrung dienen, auch die Bienen anpacken, und häufig verzehren. Die Kohlmeise, eine der gefährlichsten. Diese setzen sich schaarenweise an die Körbe, bicken die Brust der kleinen Bienen aus, das übrige lassen sie liegen, und hollen sich immer neue zum Fraß. Dieß ereignet sich in jenen Gegenden, wo Waldungen nahe an den Bienenstand sind; nebst diesen hat man dort noch den Grünspächt zu besorgen. Dieser ist gar ein grober Gesell; er hängt sich mit seinen langen Klauen an die Körbe, und macht sich mit seinem harten Schnabel durch die Körbe mehrere Oeffnungen. Da nun die Bienen durch das Anpochen rege gemacht werden, so kommen sie haufenweise zum Loche heraus, wo er dann gute Mahlzeit hält.

Vor etlichen Jahren, kam ich auf meinen Herumreisen zu den Bienenwirthen nach Fürstenfeldbruck, wo ich in dem dort herrlichen Kloster besondere Freunde und Eiferer für die Bienenzucht antraf, welche ich auch hier dankschuldigst anzurühmen keinen Anstand nehme. Der hochw. und liebenswürdige alte, dermal aber freyresignierte, und der dermalige H. Prälat, der dortmalige Pater Nivardus Jakob, mit fast allen geistl. PP. Conventualen zeigten nicht allein eine besondere Gastfreyheit, sondern sich auch als besondere Liebhaber der Bienenzucht. In dem dortigen Garten besuchte ich die angelegten Bienenzuchten, und wir fanden bey des alten Herrn Prälaten Stohkörbe an verschiedenen Orten mehrere Oeffnungen, und die Bienen ganz aufgebracht und böse. Man glaubte, daß diese die Mäuse müßten verursacht haben; aber da mir solche Fälle schon bekannt waren, so bate ich die WW. Patres, von der Bank entfernt; mit Flinten zu passen, und die ankommenden Spächte mit einer guten Ladung Schrott zu empfangen, und es waren noch wirklich an demselben Tage etliche erlegt, und also dem Uebel abgeholfen worden. Auf gleiche Art muß man sich auch die anderen Bienenfresser und Vögel vom Leibe schaffen. Nur wäre zu wünschen, daß in mehreren Klöstern solche Bienenliebhaber zu finden wären, so würde man um vieles die Bienenzucht empor zu bringen leichte Wege, und bey dem Landvolke mehrere Aufmunterung finden. Sapienti pauca.