Münchner Intelligenzblatt ; Sonnabend den 16.Juny 1799

Behandlung der Bienen im Monat Juny

In den meisten baierischen Gegenden fängt sich in diesem Monat Juny die Hauptschärmzeit an, besonders in diesem heurigen Jahre, da der ganze May hindurch für die Bienen sehr kalt, und nur die letzten 10 Tage denselben einen Ausflug zur Honigtracht gestattet hat. Viele Bienenstöcke also mußten erst in diesem Monate bey mehrern Bienenwirthen und Landsleuten zu Grunde gehen, weil man schon den allgemeinen Wahn angenommen hat : im Monate May soll, oder därf man seine Bienen nicht füttern, sonst werden dieselbe in Zukunft Faullenzer. Allein dieser Wahn ist irrig und schädlich; ein fleißiger Hausvater giebt zu jederzeit seinen armen Thieren Speise, wenn er sieht, daß dieselben sich von außenher nicht ernähren können; nur der faule Geizhals läßt Vieh und Menschen schmachten. Eben also giengs bey manchen Bienenwirth, da viele ihrer Bienen vor Hunger sterben mußten, weil man ihnen in der Noth und kalten Zeit kein Futter reichte. Nebst diesem aber war heutige Fruhjahr zu keiner Zeit für die Bienen günstig, und wer nicht besonders auf guter Hut war, dem hat es manchen Bienenstock gekostet. Dessentwegen aber, und wegen der üblen Witterung eines Jahres soll und darf man doch noch nicht gänzlich verzagen, gute Schwarmjahre ersetzen alles wieder. sollte wohl der Landmann nach einem Schauerschlag kein Getreid mehr für die Zukunft bauen? oder sich nach einem erlittenen Viehfall kein anders Vieh anschaffen ? So würde also seine Wirthschaft gänzlich aufhören. Eben so muß uns das Schicksal bey den Bienen auch nicht unthätig machen, sondern wir sollen vielmehr diesen edlen Zweig der Landwirthschaft eben so, wie andere vergleichen, nach aller Möglichkeit wieder aufzuhelfen trachten, da wir wissen, daß Honig und Wachs eben als eine erforderliche Sache in gewissen Umständen zur Erhaltung und Unterstützung des Staates diene, und daß manche Wirthschaft anderer Länder aus der Bienenzucht, also auch für unsere baierischen Länder eben also großer Nutzen zufließne könne, welches alles längst gründlich bewiesen ist.

Die vorläufigen Kennzeichen zu den Schwärmen und andere Umstände solche zu schöpfen habe ich schon im vorigen Monat May ganz kurz angezeiget, werde aber für dieses Monat gemäß meines Versprechens dasjenige hie beysetzen, was das allgemeine Einschöpfen oder Fassen der Schwärme erleichtern, die Schwärme gut erhalten, und wie man sich mit abgeschwärmten als nicht geschwärmten Stöcken für die Zukunft ´verhalten solle. Alles habe ich aus eigener langer Erfahrung und Ueberzeugung, und nicht aus bloßer Hirngespunst niedergeschrieben.

Die Erleichterung des Schwarmschöpfens also hängt allezeit von dem Anlegen des Schwarms selbst ab. Legt sich ein solche an einem niederen Aste eines Baumes, oder man hat etwa im Mangel der Bäume sich kleine Sträucher und Stauden zum Anlegen auf Stangen ausgesteckt, so ist in beyden Fällen der Schwarm leicht von jedermann zu schöpfen. Doch ist meistens ein unerschrockener Gehilf nöthig, weil sich oft Umstände ereignen, die man nicht vorsehen kann.

Hat sich also der Schwarm an dem Ast eines Baumes angelegt, und hängt er ruhig beysammen, so hat er seine Königin bey sich, mangelt aber diese, so wird er ganz unruhig mit Laufen kaum 6 Minuten hangen bleiben, sondern selbe aufsuchen, und wenn er dieselbe nicht findet, wieder in seinen Mutterstocke zurückekehren.

Bey dem ersten Fall also birngt und hält man einen reinen ausgekehrten Korb dicht unter dem Schwarm, und beutelt denselben hinein, neigt und setzt in entweder unter dem Baume auf eine Bank, oder besser und sicherer auf den Boden ganz subtill, legt einige Stöckel oder Hölzer, oder Steine unter den Rand des Korbes, damit die Bienen leichter einlaufen können. Hat man Büsche oder Sträuche auf Stangen aufgesteckt, und der Schwarm sich daran gelegt, so löst man solche ab, und beutelt die Bienen sammt der Königinn in die leere Wohnung. Sobald sich alle Bienen des ganzen Schwarms in die neue Wohnung eingezogen haben, und etwa nur etliche mehr herumfliegen, so soll man denselben nicht bis an späten Abend an dem Orte, wo man ihn geschöpfet hat, sondern längstens nur eine halbe Stunde stehen lassen, und dann an seinen gehörigen Ort bringen, wo er für die Zukunft zu stehen hat, denn sobald die Bienen alle in die Neue Wohnung eingezogen sind, so sind dieselben gleich begierig diese zu reinigen, und ihre Wirthschaft mit Eifer und Nachdruck anzufangen, sie werden nach einer halben Stunde heraustragen, was ihnen anständig ist, und den Lehren um den neuen Standort zu bemerken. Läßt man also solche bis späten Abend stehen, so gewöhnen sehr viele den Flug an dem Orte, wohin sie des anderen Tages bey ihrem Ausfluge eines anderen Standortes häufig sich einfinden, und oft zu Grunde gehen: trägt man aber den eingezogenen Schwarm nach einer halben Stunde in seinen neuen Standort, so wird allen vorgebeugt seyn.

Den erstern, oder Vorschwarm soll man nie an seinen Mutterstocke zu nahe setzen, wenn doch ein anderer Platz übrig ist; denn bey dem neuen Flug ziehen sich ganz unvermerkt viele Bienen wieder in Mutterstöcke, und man wird den anderen Tag den Schwarm kleiner finden, als er war. Die Nachschwärme aber soll man allezeit ganz nahe an dem Mutterstocke zu bringen trachten, damit, wenn man den jungen mit dem Mutterstocke, oder je diesen mit jenen nach Umständen des Nothfalls vereinigen, oder copuliren will, die Arbeit leichter von statten gehe. Es ist auch in diesem vortheilhaft, wenn allenfalls der Mutterstock weisellos wird, wie es sich sehr oft ereignet, so kann man solchen gleich mit den jungen Nachbarn copulieren. Sollte aber der Nachbar durch die Befruchtung seiner Königin weisellos werden, so zieht derselbe ohnehin wieder selbst zu dem nahen Mutterstocke ein.

Ich setze meine Bienenstöcke im Frühjahre allezeit so, daß mir ein Raum zwischen jedem Stocke übrig bleibt, wohin ich im Falle des Schwärmens einen Nachschwarm an seinem Mutterstocke setzen kann. Auf solche Art kann ich jeden Nachschwarm alle Minuten mit ihrem Mutterstocke vereinigen, besonders wenn derselbe spät gefallen, oder ganz klein ist.

Ueberhaupt aber copuliere ich alle Nachschwärme den 6. oder 7. Tag nach dem Einschöpfen, das ist: nach der Befruchtung der jungen Königin, so laufe ich nie Gefahr wegen der Waisellosigkeit des Mutterstockes. Dieser bekommt hiedurch wieder seine volle Kraft und Vögel, und da innerhalb 6 Tagen der Nachschwarm Wachs gebauet hat, so geschieht es meistens, wenn Weide folgt, daß mir die copulierten Bienen den Untersatz oder Läger, weil der Aufgesetzte schon voll ist, und umgekehrt, gänzlich ausbauen, wovon ich alsdann im Herbste oder Frühjahre gute Ausbeute zu gewarten habe, welches ich ohne Copulieren weder von einem noch von dem anderen zu gewärtigen habe. Fallen aber die Nachschwärme frühe vor Johanni, und zween oder drey an einem Tage, von verschiedenen Stöcken zusammen, so copuliere ich dieselben gleich in eine Wohnung, aber erst spät am Abende zusammen, wo sie dann in der Nacht die übrigen Königinnen abtödten, und wenn bey solchem Schwarm die Befruchtung glücklich abläuft, so kann und wird er einen Vor= oder Mutterschwarm an Güte nichts nachgeben.

Andere Schwärme, welche sich an hohe Bäume, Zäune oder andere Orte unschicklich anlegen, mit Vortheil und füglich zu schöpfen, findet man im vollständigen Unterricht sowohl, als in meinem Bienenkatechismus. Bey solchen Umständen muß einem jeden selbst die Bequemlichkeit des Orts verschiedene Mittel und Entwürfe an die Hande geben, um die Schwärme fassen zu können. Ich bediene mich jederzeit meines Schwarmsacks, oder Schwärmfängers, und so bin ich für jeden Schwarm ohne alle Leben=Gefahr gesichert, welches ohne diesem nie seyn kann.

Mit den abgeschwärmten Stöcken, und frühzeitigen Vorschwärmen, damit diese letzten nicht etwa noch einen Jungfer, oder neuen Vorschwarm abstossen, soll man erstlich den abgeschwärmten Mutterstock, wenn er nach 14 Tagen des Vorschwarms keinen Nachschwarm abstosset, auf oder untersetzen, welches man nach Beschaffenheit der Bienenstöcke richten kann.

Ist auf dem ersten oder Vorschwarm 3 ganze folgende Wochen gute Weide, u. Honigtracht gewesen, so wird sich solcher meistens ausbauen, welches wieder von der Größe des Stockes abhängt. Nach solcher Zeit also säume man nicht solche unter- oder aufzusetzen, sonst folgt in der 4. oder 5. Woche der Jungferschwarm. Dieß ereignete sich aber nur bey guter anhaltender Weide, Honigtracht und fruhen Mayschwärmen.

Wenn die Schwärme noch vor Johanni fallen, so hält man sie insgemein für gut, und aushaltend. Man hat aber auch schon in hiesigen Gegenden, besonders wo das Heidekorn gebaut wird, Jakobischwärme gut durchgebracht. Es hängt also das Gedeihen der Bienen, wie andere ökonomische Sachen, von der guten ersprießlichen Witterung, und von der sorgfältigen Behandlung und Einrichtung hiezu ab.

Vieles, besonders öfters und spätes Schwärmen eines Stockes, ist fast allezeit und überzeugend nachtheilig. doch wer wünscht sich nicht etliche junge Schwärme zu erhalten, da ein jeder seine Zucht vermehret, und größer sehen will, besonders, wenn man viele von den alten Stöcken durch lange kalte Frühjahrswitterung, wie heuriges Jahr, verlohren hat! Der Himmel kann und wird unsre Sehnsucht nach Schwärmen mit Honigthauen segnen, so wird beydes mit Gedeihen erreicht, und gestillt werden.

In diesem Monate endlich, wenn ein Bienenkorb sich herauslegt, und nach 2 oder 3 Tagen nicht schwärmen will, so soll man denselben abends aus der Bank tragen, und so behandeln, wie schon für das Monat May angegeben worden ist. findet man bey der Untersuchung des Wachsbaues keine Waiselwiegen, so will der Stock Vergrößerung zum Wachsbau haben, wo man ihn dann unter oder aufsetzt. Sind aber Wiegen vorhanden, welche verspinnt sind, oder in welchem junge Puppen wie Maden zu sehen, liegen, so schwärmt der Stock richtig bey guter Witterung.

Allen Körben und anderen Gattungen der Stöcke, welche in diesem Monate nicht schwärmen, soll man lieber gleich anfangs July Unter= oder Aufsätze geben, damit das späte Schwärme gänzlich verhindert werde, weil solche späte Schwärme und nebst diesen auch die entvölkerten Mutterstöcke zu Grunde gehen. Auf solche genaue Behandlung wird man jederzeit gute, und gleichsam Magazinstöcke erhalten, von welchen man Gedeihen an Fortkommen und Ausbeute erwarten kann.

So wie das Schwärmen von der Lage des Landes guten Witterung, und gehörigen Behandlung der Bienen hiezu abhängt, eben so muß man für die Bienen bey einem guten Nachsommer mit Unter oder Aufsätzen in der Gegend sorgen, damit bey jedem Falle sowohl für die Bienen selbst, als auch für den Eigenthümer der gehörige Nutzen könne gezogen werden.

Es ist aber eines theils wahrhaftig zu bedauern, daß man diesen Zweig der Landwirthschaft eben so, wie andere gleich erträgliche z.B. die Baumzucht, Schäferey und Fischerey, als nichts bedeutende Artikel ansieht, da man doch überzeugt ist, daß dieselben alle zu dem vollkommenen Körper der Landwirthschaft gehören. Man weis, daß ein Körper nie vollständig, gesund, und zu allem tauglich genannt werden kann, wenn ein wesentlicher Theil des ganzen oder mehreren stumpf und unbrauchbar gemacht, und nie ergänzt wird. Man giebt zwar immer Fingerzeuge zur guten Landwirthschaft, aber die gehörige Anleitung, und zweckmäßigen Mittel bleiben schlaf darnieder liegend, wer soll sie aufwecken? Der Fleiß. Labor omnia vineit, und dieser allein mangelt.

Künftiges Monat werde ich die so auffallende Begattung der Bienen, und die nöthigen Beobachtungen hiezu schildern, und für solches Monat die nöthigen Behandlungen beysetzen.